Was ist an der Sekundarschule Radevormwald nicht optimal?

Das Konzept der geplanten Radevormwalder Sekundarschule

 

Quelle: Homepage der Stadt Radevormwald

Die schlimmsten 3 pädagogischen Katastrophen:

1. Selbstgesteuertes Lernen - Segeln
Hier schlägt die Ideologie von Freiarbeit und selbstgesteuertem Lernen zu. Große Teile der Stundentafel werden in eine Organisationsform von Unterricht gepresst, ohne dass Inhalte eine Rolle spielen. Warum diese ideologische Gestaltung von Schule kontrapro-duktiv ist, können Sie weiter unten in der neuen Studie des „vielleicht einflussreichsten Bildungsforschers der Welt“ nachlesen. Achten Sie in der Grafik auf die Nummern 132-133, sie entsprechen dem „Segeln“.

2. Kaum Differenzierung in den Hauptfächern
In den Klassen 5 und 6 wird überhaupt nicht äußerlich differenziert, schwache und starke Schüler lernen gemeinsam. Hier soll der einzelne Lehrer allen gleichzeitig gerecht werden. Das das nicht vernünftig funktioniert, sagen nahezu alle Bildungsstudien. Die einen Schüler sind gelangweilt, die anderen überfordert.

Erst in der Klasse 7 wird dann in den Fächern Mathematik und Englisch in Grund- und Erweiterungskurse differenziert (rote Buchstaben).  Unsere Muttersprache Deutsch soll dann gar erst ab Klasse 8 differenziert unterrichtet werden - eine pädagogische Katastrophe! 

3. Ganztag - Verpflichtung statt Angebot.
Sie werden keine Wahl mehr haben: sie müssen Ihre Kinder nachmittags in der Schule lassen. Der gebundene Ganztag ist kein Angebot wie der offene Ganztag, sondern er ist verpflichtend, weil auch nachmittags regulärer Unterricht stattfindet. Mit den einstigen Bildungsidealen von Erziehung zu Mündigkeit und Eigenverantwortlichkeit ist es vorbei. Auch das Vereinsleben in Radevormwald und Wermelskirchen wird wohl um einiges ärmer werden. 

 

 

Hier finden Sie nun einen Auszug aus dem Spiegelartikel zur Hattie-Studie. Die Quelle ist angegeben.

 

 

Zurück zum Kerngeschäft

 Von Friedmann, Jan

 Der neuseeländische Forscher John Hattie hat ermittelt, was Schüler erfolgreich macht - und was nicht. Sein Befund muss übereifrige Reformer stoppen: Auf den Unterricht kommt es an.

Der Blick aufs Barometer ist in Deutschland ein wenig aus der Mode gekommen. Meist sind es Rentner, die allmorgendlich prüfen, ob der Luftdruck steigt oder fällt. 

John Hattie, 62, stammt aus Neuseeland und lehrt in Australien. In einer Weltregion also, wo eine Veränderung um ein paar Millibar womöglich den nächsten tropischen Wirbelsturm anzeigt oder eine Hitzewelle; wo es sich jedenfalls lohnen kann, den Luftdruck genau zu messen. Das mag dazu beigetragen haben, dass Hattie, Professor an der Universität Melbourne, ein Instrument aus der Meteorologie gewählt hat, um seine Forschungsergebnisse zu illustrieren.

Der "vielleicht einflussreichste Bildungsforscher der Welt" ("Times Educational Supplement") bildet auf einer Barometerskala ab, wie stark sich 138 Faktoren auf die Leistungen von Schülern auswirken. Vor vier Jahren veröffentlichte Hattie sein Buch "Visible Learning", seither sorgt es in der Wissenschaftswelt für Furore. Nun erscheint die deutschsprachige Übersetzung, und Hattie stellt in dieser Woche an der Universität Oldenburg seine Thesen erstmals hierzulande einem größeren Kreis vor(*).

Sie sind geeignet, der kleinteiligen und teilweise ideologisch geführten Schuldebatte in Deutschland eine neue Richtung zu geben. Denn der ehemalige Musiklehrer fasst rund 800 englischsprachige Meta-Analysen über Schülerleistungen statistisch zusammen; es flossen Studien mit Daten von insgesamt 250 Millionen Schülern ein, die Arbeit dauerte über 15 Jahre lang. Hatties Mammutwerk könnte auch in Deutschland Bildungspolitiker, Eltern und Lehrer zu der Einsicht bewegen, sich zu oft über das Falsche gestritten zu haben.

 "Viele der am intensivsten diskutierten Probleme sind diejenigen, welche die geringsten Effekte aufweisen", kritisiert Hattie. Gemeint sind damit etwa: kleinere Klassen, jahrgangsübergreifender Unterricht, das Sitzenbleiben, die Frage, ob die Schüler Uniformen tragen oder nicht - alles völlig oder nahezu wirkungslos.

 Ob das Gymnasium nun acht oder neun Jahre lang dauern soll, die Grundschule vier oder sechs - über solche Bildungsfragen mögen sich in der Bundesrepublik Volksinitiativen gründen und Landesregierungen zerlegen, doch Hattie muss sie für nachrangig halten. Um "kosmetische oder lediglich den Anstrich betreffende Reformen" werde zu viel Aufwand betrieben. Stattdessen lautet seine Losung: zurück zum Kerngeschäft. 

Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-92079461.html